Volkspolizei

– aus der Geschichte –

Die Deutsche Volkspolizei (DVP), meist nur Volkspolizei (VP) genannt, war die Polizei der DDR und wurde vom Minister des Innern (MdI), dessen Amtsbezeichnung nach 1963 gleichzeitig auch „Chef der Deutschen Volkspolizei“ lautete, zentral geleitet. Die weitere Untergliederung waren die Bezirksbehörden der DVP (BDVP) in allen Bezirksstädten und die VP-Kreisämter (VPKA) in den Kreisstädten. Ihre Aufgaben und Befugnisse waren per Gesetz vom 11. Juni 1968 festgelegt.

Im Juni 1945 wurde die Volkspolizei in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zunächst als Polizei der Länder gegründet. Nach deren Auflösung/Umstrukturierung durch die II. SED-Parteikonferenz (1952) wurde die DDR-Polizeiorganisation zentralisiert.

Ab 1952 wurde der Abschnittsbevollmächtigte (ABV) in den Städten und Gemeinden nach sowjetischem Vorbild eingeführt. Interessierte Bürger konnten als „Helfer der Volkspolizei“ ehrenamtlich mitarbeiten.

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Der 1. Juli wurde ab Anfang der 1960er Jahre als Tag der Volkspolizei gefeiert. Der Tag der DVP wurde nachträglich vom 1. Juni auf den 1. Juli verlegt, weil es zu Witzen wegen des zeitgleichen Kindertags kam.

Die sozialistische Deutsche Volkspolizei sollte sich von der Polizei kapitalistischer Staaten gänzlich unterscheiden. Während die Polizei kapitalistischer Systeme angeblich die „Aufrechterhaltung der  Klassenherrschaft, zur Erstickung demokratischer Forderungen des Volkes und zur gewaltsamen Unterdrückung der Werktätigen” verfolgte, diente die DVP „als Organ der Arbeiter- und Bauern-Macht dem Schutz der Errungenschaften der Werktätigen”.

Die Aufgabe war, „den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu schützen, das friedliche Leben und die Rechte der Bürger zu sichern” (Präambel des Polizeigesetzes). Tatsächlich war die Polizei ein Machtinstrument der SED und wurde teilweise gegen die Bürger eingesetzt.

Seit 1962 verfügte die DVP über eine eigene Hochschule, die bis 1989 rund 3500 Offiziere ausbildete. Die Volkspolizei verfügte zuletzt über rund 80.000 hauptamtliche Polizisten und 177.500 „Freiwillige Helfer“. Von den sogenannten Abschnittsbevollmächtigten wurden z. B. die Hausbücher kontrolliert. Über die Personenkennzahl (PKZ) konnte die DVP wie auch das MfS über jeden Bürger alle in diversen Datenbanken gespeicherten Informationen erhalten.
Minister des Innern und somit Chefs der Deutschen Volkspolizei waren Dr. Karl Steinhoff (Minister), Dr. Kurt Fischer (Chef DVP), Karl Maron sowie sein Nachfolger Armeegeneral Friedrich Dickel (1963-1989).
Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 ging die Polizeihoheit an die neu gebildeten Bundesländer über. Etwa 40 Prozent der DVP-Angestellten mussten aus dem Dienst scheiden.

Gliederung

Die Volkspolizei gliederte sich in die Dienstzweige Schutzpolizei, Verkehrspolizei, Wasserschutzpolizei, Kriminalpolizei und Transportpolizei. Wobei letztere für die Sicherung der Bahnhöfe und Anlagen der Deutschen Reichsbahn zuständig war. Außerdem unterstand das gesamte Meldewesen als Abteilung Pass- und Meldewesen der Volkspolizei. Um ihre militärische Gliederung als „bewaffnetes Organ“ zu unterstreichen, trugen die Offiziere der Volkspolizei militärische Dienstgradbezeichnungen, z. B. „Leutnant der Volkspolizei“.

Die zur Volkspolizei gehörenden Kasernierten Einheiten des MdI unterstanden übrigens, wie auch die Deutsche Grenzpolizei als Vorläufer der DDR-Grenztruppen, in den 1950er Jahren kurzzeitig für ca. zwei bis drei Monate dem Ministerium für Staatssicherheit. Die Kasernierten Einheiten des MdI bestanden aus den 21 Volkspolizei-Bereitschaften, den 8 Kompanien Transportpolizei-Bereitschaften (nach Mobilmachung Bereitschaften), der Hubschraubereinheit, der Anti-Terror-Einheit 9. Kompanie, der Dienststelle Blumberg (Tarnbezeichnung: Objekt 7001) und der 10. Kompanie (Köche). Deren Angehörige leisteten Wehrdienst und wurden über die Wehrkreiskommandos eingezogen und als Reservisten der NVA entlassen.

Angehörige der Kasernierten Einheiten waren nicht maßgeblich an den Ausschreitungen gegen die meist friedlichen Demonstranten im Herbst 1989 verantwortlich, denn sie waren im Produktionseinsatz bzw. ein Drittel war entlassen. Eingesetzt waren die (Schützen-) Züge der „Zentralen Kräfte Schutzpolizei“ (ZKS). Diese DDR-Bereitschaftspolizei war erkennbar an den Schulterstücken und Ärmelabzeichen. Sie wurden nach der Wiedervereinigung durch die Polizeien der Bundesländer übernommen.
Die Volkspolizei hat unter anderem auch mit inoffiziellen kriminalpolizeilichen Mitarbeitern (IKM), also mit Spitzeln, gearbeitet. Zuständig für die Führung der IKM war das Arbeitsgebiet I (politische Polizei) der Kriminalpolizei. Deren Mitarbeiter durch MfS-Offiziere geführt wurden.


Deutsche Grenzpolizei

Die Deutsche Grenzpolizei (DGP) war eine bewaffnete und militärisch organisierte Formation des DDR-Innenministeriums zum Schutz der Staatsgrenze, vorrangig zur Bundesrepublik. Die DGP wurde am 1. Dezember 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet und unterstand bis zur Gründung der DDR der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI). In den 1950er Jahren unterstand die DGP kurzzeitig dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi). Kurz nach Schließung der Grenze zu Berlin (West) („Mauerbau“) am 13. August 1961 wurde die DGP der Kommandogewalt des Ministeriums für Nationale Verteidigung unterstellt. Es erfolgte die Umwandlung in militärische Verbände. Diese trugen zunächst die Bezeichnung „Grenztruppen der NVA“. Um eine Einbeziehung in Abrüstungsverhandlungen zu verhindern, erfolgte später die Umbenennung in Grenztruppen der DDR, womit die DDR-Machthaber zum Ausdruck bringen wollten, dass es sich nicht um einen Teil der NVA handele.


– Quelle/Weblink –

– Literaturhinweise –

  • Polizei, in Meyers Neues, Lexikon, Bd. 11, 2., völlig neu erarb. Aufl., Leipzig 1975, S. 51.
  • Deutsche Volkspolizei in Meyers Neues Lexikon, Bd. 3, 2., völlig neu erarb. Aufl., Leipzig 1972, S. 549.
  • Diedrich/Ehlert/Wenzke (Hg.): „Im Dienste der Partei. Handbuch der bewaffneten Organe der DDR“. Chr. Links, Berlin 1998